Down Under
17.03.08 - Sydney, die Zweite
(Henning)
Hallo Deutschland. Ich wohne jetzt gut anderthalb Monate in Sydney und ich denke, es ist an der Zeit, mit dem zweiten Eindruck rauszurücken, welcher eigentlich nur meinen ersten bestätigt. Ich bin sehr zufrieden mit meiner neuen Wahlheimat. Hier ist wirklich immer was los. Ob es ein Filmfestival ist, Mardi Gras, das größte Lesben- und Schwulettenfestival der südlichen Hemisphäre oder der Red-Bull-Flugtag, an dem sich Volltrottel mit selbstgebauten „Flugzeugen“ über eine Rampe ins Meer katapultieren. Das einzige, was mir auf die Nüsse geht: wenn man in dieser Riesenstadt von A nach B will, ist mindestens eine Stunde im Arsch, weil die Entfernungen wirklich abartig sind.
Ich fange einfach noch mal vorne an: Die ersten beiden Wochen habe ich also im Bondi Beachhouse verbracht, davon habe ich ja schon berichtet. Während dieser Zeit hatte ich einen kurzen Besuch von Fletsch, der das nächste Jahr in Melbourne leben und studieren wird, und Susi ist hier angekommen.
Am 13. Februar bin ich dann in meine Bude eingezogen. Auch hier hab ich wieder mal einen Glücksgriff gelandet. Ich wohne mitten in der Stadt in einem Haus mit ca. 60 Studenten, die in 6er-WGs untergebracht sind. Wir haben einen schönen, begrünten Innenhof mit BBQ-Station und bis zur Uni sind’s auch nur 15 Minuten Fußweg. Meine WG besteht aus zwei Australiern, einem Inder, einer Kanadierin und einer Koreanerin. Ziemlich bunte, aber gute Mischung.
Meine Uni nennt sich University of Technology, Sydney (UTS), hat 30.000 Studenten und ist damit die drittgrößte Uni Sydneys. Sie besteht aus drei Campi, zwei in der Innenstadt und einem etwas außerhalb. All meine Fächer werden am City-Campus gelesen, dessen Hauptgebäude ein nicht sehr ansehnliches braunes Hochhaus ist, das sogar vom Flughafen zu sehen ist.
Die Einführungswoche war informativ und komplett anders als an deutschen Hochschulen. Viele informative Kurse, die gerade Internationals auf das Leben an einer australischen Universität vorbereiten; Partys wann und wo man will. Praktisch jeden Tag hat irgendwo auf dem Campus ein DJ aufgelegt. Bier wird dort angeboten, teilweise zum Nulltarif. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Alkohol an der Uni ziemlich normal ist. Es gibt sogar eine Kneipe mit Biergarten im Unigebäude.
Auch die Vorlesungen unterscheiden sich komplett von denen an der RWTH. Alles wird bis ins kleinste Detail erklärt und der Dozent versucht wirklich JEDEM alles plausibel zu erklären. Ich habe die Fächer „Machine Dynamics“, „Signal Theory“ und „Engineering Project Management“ belegt, aber ich will euch nicht weiter mit langweiligen Sachen wie diesen belatschern.
Kommen wir zu interessanteren Dingen, kommen wir zu letzter Woche. Letzte Woche habe ich die Uni wirklich nur von innen gesehen, wenn ich Vorlesung hatte. Den Rest der Zeit habe ich mit Thorsten, Sven und Mikel verbracht, die waren nämlich hier zu Besuch und hatten die ersten Tage sogar noch ihren Camper am Start, heißt: Wir konnten auch mal wohin, wo man normalerweise aus Zeitgründen nicht hin fährt. Dienstags abends sind wir mit Jim, so hieß die Karre von den Jungs, nach Palm Beach gefahren und haben dort einsam unter freiem Himmel am Strand geschlafen. Ein Traum! Das Rauschen der Wellen, lässige Musik, Bier und gute Kollegen, das alles unter einem Sternenhimmel, der so klar war, dass man alle zehn Minuten eine Sternschnuppe gesehen hat. Am nächsten Tag haben wir Beach-Hopping gemacht. Haben an gefühlten 1753 Stränden relaxt, Fußball gezockt und unser Bodysurfen professionalisiert. Den Rest der Tage haben die Jungs -manchmal ohne mich, manchmal mit mir- sich mit Sightseeing und Shopping vertrieben, und abends haben wir uns diverse Bierchen gegönnt oder sind auf Tour gegangen. An der Stelle: Danke Jungs, hatte echt ne gute Zeit mit euch.
Bevor ich’s vergesse: Hab mich im UTS-Soccer-Team angemeldet und wurde letzte Woche in die erste Mannschaft berufen. Das heißt, ich spiele jetzt dritte australische Liga. Verschärft!
Susi hat Anfang Februar mit „Demi-Pair“ angefangen, d. h. sie geht jeden morgen fleißig in die Sprachschule und hütet mittags die Kinder ihrer Gastfamilie. Die Familie ist echt nett und wohnt „nur“ 45 Minuten von meinem Sportplatz entfernt. 45 Minuten ist hier in Sydney wirklich nicht viel, zum Sportplatz brauche ich mindestens 1,5 Stunden. Jedenfalls statte ich dann meistens nach dem Training bzw. Spiel der Dame meines Herzens noch einen Besuch ab. Das heißt dann eigentlich immer noch mal Fußball, denn die Familie hat zwei junge Boys, Harry (6) und Tom (7) die total auf Soccer abfahren. Außer Harry und Tom gibt’s noch zwei Girls, 13 und 14 Jahre alt. Auch Susi hat ultra Glück mit der Unterkunft und ihrer Familie gehabt.
Fotos kommen bald auch wieder. Allerdings hat meine Kamera vor geraumer Zeit den Geist aufgegeben und somit ist die Auswahl nicht gerade riesig.
Bis demnächst.
01.02.08 - Rottnest, Australia Day, Seitenwechsel! Hä?!
(Henning)
Nachdem Sarah uns verlassen hatte und Thorri und Co den ganzen Tag arbeiten waren, wurden meine Tage etwas „entspannter“. Ich verbrachte relativ viel Zeit vorm Computer, um Sachen für die Uni und meine Wohnung in Sydney zu regeln. Allerdings blieb immer noch genügend Zeit für andere Sachen, zum Beispiel ein Besuch auf Rottnest Island, einer Insel vor der Küste von Perth. Den ersten Versuch startete ich an einem Samstag mit Thorsten. Leider ging das ordentlich in die Hose, denn wir haben die erste Fähre verschlafen und die zweite hat gerade abgelegt, als wir am Hafen ankamen. Hätten vielleicht etwas mehr Energie ins Aufstehen stecken sollen und etwas weniger in Pubaktivitäten am Vorabend. Trotz allem hatten wir einen sehr guten Tag. Cottesloe Beach hieß unsere Alternative, wo man abends im Cottesloe Beach Hotel einen wunderbaren Sonnenuntergang bei nem schönen kühlen Bier erleben kann. Einige Tage später dann mein zweiter Versuch: Bin früh morgens mit der Fähre übergesetzt, hab mir ein Fahrrad geliehen und damit die Insel umrundet. Kam dabei an zahlreichen schneeweißen Sandstränden vorbei und war an zwei Korallenriffen Schnorcheln. Leider hatte ich keine Unterwasserkamera, um festzuhalten was ich da gesehen habe, aber es war echt traumhaft. Wenn ich nicht farbenblind wäre, wäre es wahrscheinlich noch besser gewesen. Zu guter Letzt hat mich dann noch so ne scheiß Qualle gebissen.
An meinem letzten Tag in Perth war „Australia Day“, der australische Nationalfeiertag, an dem vor 220 Jahren die ersten weißen Siedler in Australien ankamen. Am „Australia Day“ streift man sich ne Australische Flagge über, ähnlich wie bei der WM, und –wichtig!- klebt sich eine kleine Tattoo-Flagge irgendwo auf den Körper. Frauen positionieren diese mit Vorliebe irgendwo im Dekolleté. So ausgestattet ballert man schon mittags so viel wie nur geht. Tolle Sache! Abends gibt’s dann ein riesiges, halbstündiges Feuerwerk. Das stellt alles in den Schatten, was ich bisher an Feuerwerken gesehen habe.
Am Morgen darauf brachte Thorsten mich zum Flughafen, und ich machte mich auf nach Sydney. Hier bin ich jetzt seit ein paar Tagen und wohne zur Zeit noch in nem Backpackers namens Bondi Beachhouse am -wie der Name schon sagt- Bondi Beach. Ein super Laden mit wunderschöner Dachterrasse. Hab hier echt Glück gehabt und von Anfang an nette Leute kennen gelernt, im Moment ziehe ich mit einem Holländer, einem Iren, einem Argentinier und einem anderen Deutschen rum. Ist ne witzige Truppe!
Bin vorgestern ein erstes Mal durch die Innenstadt geschlendert, hab mir ein paar Sehenswürdigkeiten angeguckt und versucht, mir nen ersten Eindruck zu verschaffen. Die Stadt ist viel lebendiger als Perth, dafür aber auch etwas unpersönlicher. Trotzdem herrscht eine freundliche Atmosphäre. Meine Universität liegt fast unmittelbar im Zentrum der Stadt und ist auf den ersten Eindruck im Vergleich zur RWTH sehr modern. Es gibt hier viel zu sehen und ich glaube, dass Sydney eine sehr gute Wahl war und ich mich hier wohl fühlen werde. Wir werden sehen.
Helau!
16.01.08 - Die ersten Tage
(Henning)
Wo soll ich anfangen? Also: Der Flug von Frankfurt nach Hong Kong war mit 11 Stunden Flugzeit doch sehr lang und ich konnte kaum schlafen. Hab mir ein paar Filme reingezogen und mich mit meinem Nachbarn, einem jungen E-Technik-Nerd-Ingenieur auf Geschäftsreise unterhalten. 7 Stunden Aufenthalt veranlassten mich dazu, mir Hong Kong kurz anzuschauen. Hong Kong ist echt riesig und beeindruckend und bestimmt eine Reise wert, leider war mein Besuch eher ein planloses Durch-die-Stadt-irren, weil ich weder einen Stadtplan noch die Zeit hatte, um mich zu Recht zu finden. Der Anschlussflug nach Perth dauerte 7 Stunden und so kam ich gegen Mitternacht auf australischem Boden an. Am Flughafen empfingen mich eine braungebrannte Sarah und eine Neger mit massiven Polsterungen im Hüftbereich namens Thorsten. Nach ausgiebiger Begrüßung sind wir zu Thorstens Bude gefahren und haben uns ziemlich zügig ins Bettchen gelegt, da der junge Herr mit den Polsterungen am nächsten Tag arbeiten musste und ich von dem langen Flug ziemlich in den Fritten war.
Den ersten Tag meines Australienaufenthalts verbrachte ich mit Sarah, einer exquisiten Stadtführerin, in Perth und hab mir einen ersten Eindruck von der Stadt und den Aussies gemacht. Perth ist eine 1,5 Mio.-Einwohner-Stadt. Die Innenstadt beschränkt sich auf eine Einkaufszone und den Business District mit einigen Hochhäusern. Der Grossteil der Stadt jedoch erstreckt sich über eine riesige Fläche, die aus einstöckigen Häusern mit Garten ringsherum besteht. Die Aussies sind sehr freundlich und gesprächig und ich hab mich von Anfang an hier wohl gefühlt.
Am zweiten Tag haben Sarah und ich beschlossen, den Norden von Perth etwas zu erkunden. Wir haben uns für 6 Tage einen Wagen gemietet und sind über Lancelin und Kalbarri nach Monkey Mia und von dort über Geraldton zurück gefahren. Insgesamt haben wir 2200 km zurückgelegt. Fotos von der Tour hab ich schon hochgeladen, die darf man sich diese gerne zu Gemüte führen. Die Straßen sind größtenteils echt so wie man sie sich vorstellt: Kilometerlang nur geradeaus, gesäumt von roter Erde, rechts und links Outback (wenn man nicht gerade an der Küste entlang fährt), und manchmal 200 km nichts, dann ein Roadhouse und dann 300km nichts, und das an der „dicht besiedelten“ Küste.
Lancelin, unser erster Stop, ist ein kleiner Ort mit 800 Einwohnern in den Dünen, wird hier aber, wie jedes kleine Nest, „town“ genannt. Hier sind eigentlich nur Windsurfer und Freaks, die mit ihren 4WD-Jeeps durch die Dünen hämmern, unterwegs. Von dort sind wir früh morgens weiter Richtung „Pinnacle Desert“ -eine kleine Wüste aus gelbem Sand, aus der kleine Steinpimmel in den Himmel ragen- aufgebrochen. Über Kalbarri gings weiter nach Monkey Mia, wo wir 2 Tage einfach nur relaxt haben. Monkey Mia besteht aus ein paar Bungalows und einem Zeltplatz direkt am Meer, mit einem weißen Sandstrand und vielen Palmen. Jeden Morgen kommen einige Delfine an den Strand, um sich füttern zu lassen, und man kann Katamaran-Touren auf glasklarem, türkisfarbenem Wasser machen.
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber mein Äifer lässt so langsam nach.
Werde jetzt mal die Bude etwas aufräumen und dann Thorri von der Schaff abholen. Gehen heute Abend nämlich von dort aus mit irgendwelchen Kollegen von ihm Bier brauen, was auf Grund des hiesigen Bierpreises echt ne wirtschaftliche Sache ist.
Also, reinhauen und bis demnächst
04.01.08 - Auf zu neuen Ufern
(Henning)
Meine Tage in Deutschland sind gezählt, morgen um 13.50 Uhr geht mein Flieger nach Australien. Die Vorbereitungen sind so weit abgeschlossen: Die Tasche ist gepackt, der Abschied wurde gefeiert … naja, das Leergut muss ich noch zurück bringen, mit der Uni ist noch das ein oder andere zu regeln und ich hab noch keine Wohnung, aber ich lass mich da nicht stressen, denn in Oz sollen angeblich alle ziemlich “easy” sein, und dann bin ich das einfach auch schon mal.
Mein erster Stop wird in Perth bei Thorri sein. Hab eben noch mit ihm telefoniert, um meine Ankunftszeit durchzugeben und mir den Wetterbericht erzählen zu lassen. Er meinte, es sei etwas abgekühlt, sie haben jetzt nur noch 30°C und er läge gerade pizzaessend mit einer heißen Brünetten am Strand und schaue sich den Sonnenuntergang an. Hört sich gut an.
Freunde, ich wünsche euch weiterhin viel Spaß im deutschen Winter. Ich hoffe, ich habe etwas mehr “Äifer” als Thorsten und schreibe den ein oder anderen Bericht mehr.
Eddi
20.11.07 - Sorry das ihr so lange nichts von mir gehört habt.
(Thorsten)
Ich erzähl mal was über die Firma in der ich mein Praxissemester absolviere. Also die Firma heißt EcoSmart und wir planen, managen und führen “Home Energy Assessments” durch. Das heißt Energieberater gehen zu den Leuten nach Hause und erzählen denen wie sie Strom, Wasser und Gas sparen können. Die Firma ist noch sehr jung, erst vier Jahre und ist gerade in ein Büro in Fremantle umgezogen. Vorher haben alle von zuhause aus gearbeitet. Und deshalb hab ich auch den ersten Tag damit verbracht mein Büro einzurichten. Was genau bedeutet, ich musste Schreibtisch, Stuhl, Regal usw. (alles noch in Originalverpackung und natürlich in Einzelteilen) in den zweite Stock karren und zusammenbauen. Na das kann ja heiter werden hab ich mir gedacht, aber von da an gings steil bergauf. Die Kollegen sind locker drauf, sehr nett und alle noch recht jung. Im einzelnen: Cameron, Chef, Australien. Sam, Telemarketing Chef, Australien. Ian, Projektmanager, England. Florent, Technische Mitarbeiter, Frankreich/Maurizius. Kai, keine Ahnung was der macht, Deutschland. Mikel und Ich. Außerdem arbeiten immer 5-6 Telemarketer bei uns, meistens Backpacker aus aller Herren Länder. Die Arbeit macht echt Spass und ich lern auch noch einiges dabei. Also bis nächste Woche, denn dann gibts einen neuen Bericht!
05.09.07 - G`day ihr daheimgebliebenen
(Thorsten)
Erst mal schoene Gruesse aus down under! Mir geht es ganz gut hier! Wohne zusammen mit Mikel und Mike, einem Australier, zusammen in einem kleinen Haus in einem Wohngebiet etwas ausserhalb der Innenstadt. Jeder hat ein Schlafzimmer, es gibt ein Wohnzimmer, Kueche, Bad und ein Klo hinterm Haus und einer Garten. Alles in allem hat es uns gut getroffen mit der Unterkunft. Mike ist 29, Maler von Beruf und ziemlich locker drauf. Bei gelegenheit stell ich mal Bilder von Perth und dem Haus in studivz. Die erste Woche war sightseeing angesagt: Perth, Fremantle usw. Ausserdem wurde relativ viel Bier getrunken und Pubs kennengelernt. Das Wetter ist angenehm, so um die 20 Grad, aber nachts kann es doch noch ziemlich kalt werden und unser Haus besizt, wie die meisten hier, keine Heizung. Nach einer durchfrorenen Nacht war Mikes Kommentar: Hey dude! It was fucking cold tonight, wasn`t it? Ja wars! Ueberhaupt scheint es wichtig zu sein in jedem Satz mindestens einmal das Wort fucking unterzubringen. Seit drei Tagen bin ich jetzt in der fucking Sprachschule und hab mir das fucking schnell wieder abgewoehnt. In der Sprachschule sind 250 Leute aus 28 Nationen. Total bunte Mischung und eigentlich ziemlich lustig. Thorsten ist ja schon fuer die Australier ein ziemlich schwer auszusprechender Name, aber versuch mal ner Japanerin die gerade Englisch lernen will deinen Namen beizubringen, Das kann dann schon mal 10 Minuten dauern! Leider hab ich immernoch kein Internet zuhause, aber ich hoffe das es Anfang naechster Woche soweit ist. So dann machts mal Gut.
