Der große Tag war gekommen und so machten sich Scholli, Mike und Dirk samstags auf den Weg ins Koblenzer Schloss um ihre Startnummern entgegen zu nehmen. Nach dem wir uns dann in Björns beschaulicher Studentenwohnung einquartiert hatten, machten wir uns in die Koblenzer Innenstadt auf um unseren Kohlenhydratspeicher aufzufüllen und unseren Flüssigkeitshaushalt auf maximum zu bringen. Und so gönnten wir uns noch einen Sub “Italian BMT” und die 3 Weizen in der Abendsonne von Koblenz trugen hilfreich dazu bei das wir dann um 22.30 sanft in das Reich der Träume fielen.
Um 5.00 war die Nachtruhe dann vorbei! Nach dem Frühstück und erfolgreichem Stuhlgang machten wir uns dann um 6.05 auf dem Weg zum Bahnhof wo unser Zug schon stand der uns zum Start nach Oberwesel bringen sollte. Die Zugfahrt dauerte gefühlte 4Stunden und die ersten Zweifel kamen auf ob wir noch ganz bei Trost waren als wir uns hierauf eingelassen haben, zu spät, denn wenn der Zug jetzt nicht mehr entgleist kommen wir aus der Nummer nicht mehr raus.
7.25 Uhr:
Der Zug hat sein Ziel erreicht und wir gehen mit den anderen Marathonis in Richtung “Start” wo schon rege Wallung herrscht. In 4er Reihen stehen sie vor den Dixis und andere sind sich intensiv am aufwärmen. Wir kommen uns ein wenig unwohl vor als wir an dem “Besenwagen” vorbei gehen und der Fahrer uns blöd angrinst. Ein alter Feuerwehrbus Bj.68 wo für geschätze 100 Leute Platz ist, sieht aber ganz gemütlich aus.
7.45 Uhr:
Der Veranstaltungskolwen sagt das es gleich los geht und die Teilnehmer sich an den Start stellen sollen. Alles klar, Kippe aus, Angstbach machen und Tasche abgeben noch schnell etwas sporadisch gedehnt und wir stellen uns mitten ins ca.1500 Mann starke Starterfeld neben den ganzen Profis mit Mp3 playern, Trinktaschen und Pulsuhren. So recht passe ich mit meiner o`neal Schwimmhose und Scholli im Argentinientrikot nicht ins Bild der anderen Teilnehmer und wir fragen uns zum letzten mal was wir hier überhaupt machen.
8.00 Uhr:
Der Startschuss fällt. Es sind optimale Bedingungen, leicht bewölkt bei 15C. Wir stehen bei dem 4 Std. Pacemaker, der mit einem blauen Luftballon am Arm gekennzeichnet ist, an dem wir uns erst einmal orientieren wollten.
km 1:
Es geht sofort los wie die Feuerwehr, das Feld ist ziemlich unruhig und wir verlieren den blauen Luftballon schnell aus den Augen.
km 2:
Ciao Mike!
km 3-10:
Das Feld hat sich jetzt etwas beruhigt, es bilden sich kleine Grüppchen und man hält mit den anderen Marathonis etwas Smalltalk. Wir lernen Detlev kennen, ein Mitvierziger der auch seinen ersten Marathon läuft, und Winni ein alter Hase im Marathonsport der uns einige nützliche Tips mitgab.
km 10-13:
Detlev muss abreissen lassen und Winni läuft weg. Scholli und ich fühlen uns noch sehr fit und sind guter Dinge.
km 13-16:
Die ersten Schmerzen fangen an. Dirk, linke Achillessehne. Scholli, rechtes Knie Aussenband.
km 16-20:
Die Wolken reissen auf und die Temperatur erhöht sich auf 30C und wir sollten bis zum Ziel keinen Schatten mehr sehen.
km 21:
Halbzeit: Mike passiert die Zeitmessung bei 1:56, Scholli und Dirk nach 2:07. Und die nun immer zahlreicher werdenden Zuschauer an der Strecke peitschen uns immer weiter nach vorne.
km 22-25:
Dirk, rechte Achillessehne und links zieht es langsam in die Wade. Scholli, linkes Knie innen, rechter Oberschenkel hinten.
km 25:
Laufen an einer Frau vorbei die gerade von drei Sanitätern in den Krankenwagen geschoben wird.
km 25-32:
Haben wieder mit 3 anderen eine Gruppe gebildet und wechseln uns mit der Führungsarbeit ab.
km 32:
Vor uns bricht ein Mann und dann zusammen. Die Sanitäter sind schnell zur Stelle.
km34:
Werden von einer scharfen alten eingeholt, die ein Hinterteil wie zwei Kokosnüsse hat. Scholli hängt sich dran und lief mit ihr bis ins Ziel. Ich musste leider abreissen lassen.
km 35:
Mein linker Arm wird taub.
km 36:
Der Sieger kommt mir wieder entgegen, er läuft aus!!! Versuche diesen Angeber noch umzugrätschen doch die Kraft reicht nicht mehr.
km 37-40:
Das Streckenprofil zeigt jetzt bis zum Ziel fast nur noch bergauf und einige müssen gehen. So leder ich mit ca. 3 kmh noch einige ab. Weicheier!!
km 40-41:
Bekomme einen Tunnelblick und treffe Detlev wieder.
km 42:
Zielgerade, die Stimmung ist super und die Kraft am Ende. Sehe eine handvoll Vollidioten die oberkörperfrei und mit ihren T-shirt schwenkend mir entgegen jubeln. Klatsche mit Thorsten ab.
km 42,195 deutsches Eck:
Laufe nach 4:34,38 mit meinem neuen Kumpel Detlev Arm in Arm über die Ziellinie und kann nix mehr, was nix mehr heisst. Kurz hinter der Ziellinie treff ich auch dann Scholli wieder der nach 4:28,04 ankam und Mike stand schon nach 4:12,59 bei den jungen Damen am Erdingerstand.
Mit Hohn und Spott wurden wir aus dem Dorf gejagt und mit Ruhm, Ehre, mit Gold und Silber überhäuft und als Helden kamen wir zurück. Und im nächsten Jahr fallen die 4 Stunden…